GROSSARTIG I KURIOS I INTERNATIONAL

Die Entstehung des Goethe-Medaillons [2] ist eng an die der Büste [1] gebunden. Goethe und sein Kunstagent Johann Heinrich Meyer unterhielten sich vor dem fertigen Tonmodell der Büste. Sie würdigten die hohe Qualität der Ausführung, sorgten sich aber, dass Außenstehende die überlebensgroßen Dimensionen auf einen Wunsch Goethes zurückführen könnten.

Um den Künstler ohne Kritik zu einer natürlicheren Größe der Büste zu bewegen, hatte Meyer die Idee: Zunächst sollte ein Medaillon hergestellt werden, „je größer, umso besser“. Der Bildhauer würde dann die übersteigerte Großartigkeit selbst feststellen und die Marmorfassung in einem kleineren Maßstab ausführen. Doch der Coup misslang: sowohl das Medaillon als auch die Büste wurden monumental.

Anstatt Auftragsarbeiten anzunehmen wählte David d’Angers selbst Personen aus, denen er ein Denkmal setzen wollte. Diese sollten über den Zeitgeist hinaus tugendhaft, moralisch schöne und sittenhafte Menschen sein. Als Marketingstrategie verschenkte er Zweitfassungen seiner Werke an Institutionen in ganz Europa und eröffnete so einer breiten Öffentlichkeit die Auseinandersetzung mit seiner Kunst.

Goethe war von David d’Angers‘ Medaillons [vgl. Vitrine 2] begeistert. In seiner privaten Sammlung befanden sich 94 seiner Gipsabgüsse, alle kreisförmig und mit einem Durchmesser von etwa 12 cm. Diese sind noch heute im Besitz der Klassik Stiftung Weimar.