Vitrine 1: Die Entstehungsgeschichte I
An die außergewöhnliche Begegnung mit David d’Angers erinnerte sich Goethe in seinem Dankesbrief [3] vom 20. August 1831.
Goethe zeigte sich überrascht vom universellen, humanistischen Anspruch des französischen Bildhauers, der nicht nur seine eigenen Landsleute porträtierte. Er erkannte eine Geistesverwandtschaft in ihrem Verständnis von Kunst als Mittel der Verständigung.
Trotz ihrer Unterschiede sollten sich Menschen über nationale Grenzen hinweg freundschaftlich begegnen und ihre Verschiedenheit anerkennen. Im Alltag sei dies häufig durch Interessenskonflikte erschwert. Die Kunst jedoch besitze die Wirkmacht, solche im Kleinen stattfindenden Konflikte zu überwinden, da vor ihr wird ein Austausch möglich wird, der wechselseitige Anerkennung herstelle.
Die übersendete Marmorbüste habe Goethe in diesem Sinne „mit lebhafter Dankbarkeit aufgenommen, als ein Zeugniß des Wohlwollens […], als ein Beweis der Auflösung strenger Nationalgränzen“. Ihre öffentliche Aufstellung solle nun auch das fortdauernde Andenken an das künstlerische Talent David d’Angers sichern. Außerdem wünschte sich Goethe, dass seine Wertschätzung gegenüber dem Bildhauer in diesem Brief – „wie ein Deutscher in seiner Sprache sich ausdrücken konnte“ – verstanden würde.