Goethe und der französische Bildhauer Pierre Jean David d’Angers
Vom 21. August bis zum 9. September 1829 besuchte David d’Angers (1788–1856) Weimar, um Goethe (1749–1832) zu bitten, eine Büste von ihm ausführen zu dürfen. Ihre Gespräche über Literatur und Kunst sowie deren Entwicklung in Frankreich überzeugten Goethe. Zu dieser internationalen Runde gehörten auch die polnischen Romantiker Antoni Odyniec und Adam Mickiewicz. Goethe saß dem Bildhauer in mehreren Sitzungen Modell. Am 5. September 1829 schrieb er an Adele Schopenhauer:
„Ich sehe eine ungeheure Masse Thon zusammengebracht und aufgethürmt und, zu meiner nicht geringen Verwunderung, mein Bildniß in colossalen Verhältnissen heraussteigen. Glücklicherweise gelingt es ihm nach und nach dem Werke natürliches Ansehen zu geben“.
Die Marmorbüste wurde 1831 zu Goethes 82. Geburtstagsfeier öffentlich mit Chorgesang in der Großherzoglichen Bibliothek enthüllt – Goethe war selbst nicht anwesend. Der Oberbibliothekar Friedrich Riemer hielt die Rede und beschloss:
„Lassen Sie uns nun zur Betrachtung des Kunstwerks selbst übergehen, das an überraschender Neuheit, eigenthümlicher Grossartigkeit […] nicht leicht etwas Aehnliches antreffen möchte.“
2015 gelangte aus dem Nachlass des amerikanischen Literaturwissenschaftlers und Goethe-Forschers Peter Boerner (1926–2015) ein Konvolut von 20 Kunstwerken in das Freie Deutsche Hochstift, darunter ein Abguss der Goethe-Büste von David d’Angers [1]. Dies geschah aus freundschaftlicher Verbundenheit mit der Institution und seinem früheren Direktor Ernst Beutler (1885–1960).
Die Ausstellung ist Peter Boerner zu seinem 100. Geburtstag gewidmet.