[1] Pierre Jean David d’Angers
Johann Wolfgang von Goethe
nach dem Tonmodell von 1829
1977, Gipsabguss
Stiftung Goetheana, Peter Boerner
Am 3. September 1829 trafen sich Goethe, die Großherzogin Maria Pawlowna und Johann Heinrich Meyer vor dem Tonmodell. Laut Eckermann kommentierte Goethe die Büste nach genauer Betrachtung mit: „Kurios! Kurios!“.
Das Modell wurde nach Frankreich geschickt, um es in weißen Marmor zu übertragen. Goethe war unsicher und bat daher im April 1830 seine Freundin, die in Paris lebende Gräfin Chassepot, sich im Atelier David d’Angers ein Urteil zu bilden. Sie sah die Büste erst in der öffentlichen Ausstellung in Paris und schrieb Goethe Ende Mai 1831: „Die Ähnlichkeit ist sehr groß; ich habe in dieser Abbildung die schönen, edlen Züge meines unvergesslichen Freundes wiedergefunden.”
Die Kolossalbüste sorgte für viel Gesprächsstoff, auch über Weimar hinaus. Meyer analysierte sie 1832 in Ueber Kunst und Alterthum kunsthistorisch. Er betonte Unterschiede im nationalen Geschmack und erklärte, „daß alle auf gewöhnlich deutsche Weise Gebildeten, sich schwerlich ganz mit dem Werk [...] befreunden können“. Naturhaft seien die Augen und der Mund nachgebildet; die Lippen leicht gehoben, wie zum Sprechen, und dadurch gleichsam beseelt. Die Haare verdienten Beifall, wenngleich man sich „noch einen gefälligeren Lockenschlag“ wünschte. Abschließend bemerkte er, dass die Haare um die Stirn sehr gut angesetzt seien.
Die Lebendigkeit, die Meyer beschreibt, vermittelt sich dem Gegenüber noch heute. Nach wie vor prägt die Büste David d’Angers das Goethe-Bild in Frankreich maßgeblich.