Das letzte Porträt Goethes, das zu seinen Lebzeiten entstand, hat einen amüsanten Hintergrund. Im Dezember 1831 bat der Hofkupferstecher Carl August Schwerdgeburth Goethe, ihm Modell zu sitzen. Goethe weigerte sich freundlich:
„Ich habe so oft Künstlern gesessen, man hat mich damit gemartert und geplagt, und von den vielen in der Welt kursirenden Abbildungen sind die allerwenigsten mir zu Danke. Ich bin dadurch verdrüsslich geworden und habe mir zum Gesetz gemacht, mich niemanden mehr dazu herzugeben.“
Während dieses Gesprächs beobachtete Schwerdgeburth ihn aufmerksam. Zuhause zeichnete er sofort Goethes Kopf aus der Erinnerung. Er übergab die Zeichnung noch am gleichen Tag dessen Schwiegertochter Ottilie zum Vergleich – in der Hoffnung auf ihre Zustimmung.
Einige Tage später ließ Goethe ihn rufen, empfing Schwerdgeburth mit der Zeichnung in der Hand und klopfte ihm auf die Schulter:
„Das haben Sie recht gemacht, dass Sie sich hinter die Frauenzimmer gesteckt haben. […] Ich will so oft sitzen, als Sie es wünschen. Jetzt haben Sie nichts zu ändern, als den ernsten Zug um den Mund“.
Im Januar 1832 legte Schwerdgeburth die Reinzeichnung vor. Goethe wünschte, „[d]ie Welt mit diesem Kupferstich bekannt zu machen […]. Machen Sie sich rasch an die Arbeit.“ Am 6. März wurden weitere Abmachungen getroffen; eine Pinselzeichnung entstand zur Vorlage. Leider wurde der Kupferstich Goethe nach dem Leben gezeichnet [18] erst nach dessen Tod vollendet.