Vitrine 5: Die Huldigung
Bevor David d’Angers das Basrelief Der Tod des Epaminondas in Ton ausführte – wie es Pajous Gemälde rechts an der Wand zeigt [23] –, entstanden zunächst Entwurfszeichnungen. Die vorbereitende Detailstudie [20] und die Reinzeichnung [21] geben Aufschluss über die Werkgenese.
Die Darstellung der knienden Figur [20] verfestigte sich durch die zunehmende Kreidestärke schrittweise vom zarten zum kräftigeren Konturstrich. Die Verbesserungen, sogenannte Pentimenti, zeigen David d’Angers‘ Suche nach dem korrekten Muskelaufbau. Auch wird die Veränderung der Unterschenkel- und Fußstellung sichtbar. Mit Parallelschraffen, Kreuzlagen und Zick-Zack-Linien markierte er die verschatteten Gewandpartien in unterschiedlicher Intensität.
Die Gesamtansicht [21] zeigt die Übergabe des aus der Schlacht geborgenen Schildes an den verwundeten Epaminondas durch seinen Waffenträger. Die unterschiedlichen Helligkeitswerte der Linien verweisen auf die plastische Tiefenstaffelung: Je stärker sich das Relief später von der Grundplatte abheben sollte, desto dunkler oder präziser ist der Umriss. So entsteht die Vorstellung eines Raumgefüges, das vom Hoch- ins Flachrelief übergeht. Dies wird insbesondere im Vergleich zwischen den Figuren, dem zentralen Rundschild und den dahinter aufgestellten Wurfspießen nachvollziehbar.
Wer war Epaminondas?
Epaminondas (410–362 v. Chr.) war ein griechischer Staatsmann und Militärstratege aus Theben. Durch seinen Sieg in der Schlacht bei Leuktra (371 v. Chr.) beendete er die Vorherrschaft Spartas, dessen Heer zuvor als unbesiegbar gegolten hatte. Als Feldherr wurde er durch die sogenannte Schiefe Schlachtordnung bekannt.
Bei seinem dritten Feldzug in der Schlacht von Mantinea (362 v. Chr.) auf dem Peloponnes, traf ihn ein Wurfspieß in die Brust. Die Eisenspitze konnte nicht entfernt werden, ohne seinen sofortigen Tod herbeizuführen. Epaminondas nahm sein Schicksal mit Gelassenheit hin. Nicht sein eigenes Leben beschäftigte ihn, sondern der Ausgang der Schlacht und die Rettung seines Schildes.
David d’Angers hält den entscheidenden Augenblick fest: Der kniende Waffenträger überreicht Epaminondas seinen unversehrten Schild. Dieser ist mit dem Donnerbündel, Adlerflügeln und Blitzen geschmückt und symbolisiert göttlichen Schutz sowie die Legitimation durch den Göttervater Zeus. Zugleich verkündet er ihm den Sieg, woraufhin ein letztes heiteres Lächeln Epaminondas‘ Gesicht erhellte. Sterbend riet er seinen Gefährten zum Rückzug und Frieden, was sie bitterlich beklagten.
Anschließend entfernten sie die Eisenspitze aus seiner Brust. Kurz darauf starb Epaminondas, und die Vormachtstellung Thebens in Griechenland endete.