26.11.2026, 19 Uhr

Dagmara Kraus: De-utsch się, Deutsch Übersetzen und Entlernen

Monika-Schoeller-Dozentur für literarisches Übersetzen

Ort: Freies Deutsches Hochstift, Arkadensaal, Großer Hirschgraben 23-25

Deutsches Romantik-Museum

Frankfurter Goethe-Haus

Eintritt frei

Deutsch, das ich als Kind lernte, gründet im Kern auf einer kritischen translingualen Ambivalenz. Denn das die Sprache bezeichnende Wort selbst scheint, über Sprachgrenzen hinweg gelesen, beinahe unverhohlen einen verqueren Befehl zu insinuieren: »De-utsch!«, »de-ucz!«, lautet die Aufforderung, »ent-lerne!«. »Entlernen« und »verlernen« sind im Hinblick auf den literarischen Sprachentransfer nicht dasselbe. Und beim Übersetzen kann es allenfalls darum gehen, notwendiges Wissen nicht völlig zu ver-, sondern womöglich nur zu »entgessen«, Gelerntes mithin bewusst beiseitezuschieben, um Unvertrautem, Neuem, Raum zu geben. Schließlich sind Übersetzende andauernd kafkaesken Kreuzungen ausgesetzt und müssen mit Erbstücken umgehen: unruhigen »Tierentlernten«, denen die eigene »Haut zu eng ist«, Lammkätzchen, Katzenlämmern, die obendrein »fast auch noch« Hunde sein wollen.

Im Wintersemester 2026/27 hat Dagmara Kraus die Monika-Schoeller-Dozentur für literarisches Übersetzen inne. Sie hält während des Semesters einen öffentlichen Vortrag und eine Lesung. Zudem richtet sie zwei Workshops aus.

In Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt und der S. Fischer Stiftung

Dagmara Kraus

Als Übersetzerin überträgt Dagmara Kraust polnische und französische Texte ins Deutsche. Ihr Interesse gilt Werken, die sprachliche und literarische Konventionen infrage stellen, etwa den wortschöpferischen Gedichten Miron Białoszewskis oder den auf „contraintes“ basierenden Arbeiten des Oulipo-Mitglieds Frédéric Forte. Sie ist Autorin mehrerer Gedichtbände, darunter ‚kummerang‘ (2012), ‚kleine grammaturgie‘ (2013), ‚wehbuch‘ (2016), ‚liedvoll, deutschyzno‘ (2020) und ‚wille zur mache‘ (2026). Für ihren sprachlichen Einfallsreichtum und ihr interlinguales Spiel wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Erlanger Preis für Poesie als Übersetzung (2017), dem Basler Lyrikpreis (2018), dem Lyrikpreis Meran (2021), der Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung (2021) sowie dem Oskar-Pastior- Preis (2025). Sie lehrt an der Princeton University

Monika-Schoeller-Dozentur für literarisches Übersetzen

Im Gedenken an die Verlegerin und Förderin von Literatur und Übersetzung Monika Schoeller richten das Freie Deutsche Hochstift in Zusammenarbeit mit dem Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik und dem Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft regelmäßig eine Dozentur aus. Die S. Fischer Stiftung ermöglicht es, jedes Jahr einen profilierten Übersetzer oder eine profilierte Übersetzerin nach Frankfurt einzuladen, um in Kooperation mit den Lehrenden der drei Institutionen das Seminar zu leiten. Es ist regulärer Bestandteil des Studiums einschlägiger Fächer an der Goethe-Universität, richtet sich aber gleichermaßen an interessierte Gäste.