Die Zeit der Romantik war eine Phase tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen. Standesgrenzen wurden durchlässiger, das Bürgertum gewann an Einfluss und neue Formen der Kommunikation entstanden. In diesem Umfeld verbreitete sich um 18oo eine neue Sitte: Überbringen beweglicher Glückwunschkarten zu Neujahr wurde zur allseits beliebten Modeerscheinung. Aus schlichten Grüßen wurden kleine Kunstwerke. Billets mit Klappen, Scheiben und Hebeln, die Szenen verwandeln, Figuren in Bewegung setzen und Botschaften übermitteln. Selbst Goethe schwärmte von den „zierlichen, nickenden, bückenden und salutierenden kleinen Geschöpfen“.
Der Aufstieg dieser Karten begann 1796, gleichzeitig mit den Anfängen der romantischen Literatur. Verleger und Kunsthändler entwickelten aufwendig gestaltete Billets mit beweglichen Elementen, die während des Betrachtens mit der Hand animiert werden mussten. Die Karten bedienten sich der populären Bildsprache ihrer Zeit und nutzten besonders Symbole mit Gefühlswerten. Diese bildlichen Freundschafts- oder Liebesbotschaften waren mit kurzen, teilweise doppeldeutigen Texten verbunden. Die Karten boten eine im Vergleich zu persönlichen Briefen einfachere Möglichkeit, Gefühle auszudrücken – ähnlich wie heute Emojis oder GIFs.
Die Ausstellung umfasst den Zeitraum zwischen 1796 bis etwa 1820 und präsentiert von den frühen beweglichen Karten über die im Zentrum stehenden „mechanischen Billets“ bis zu den späteren Wiener Kunstbillets die vielseitigen Motive und raffinierten Mechaniken diese fragilen Gebrauchskunstwerke. Die ausgestellten Stücke stammen aus einer dem Freien Deutschen Hochstift 2025 geschenkten, über Jahrzehnte zusammengetragenen Privatsammlung. Besondere Beachtung finden die Bezüge zur romantischen Ästhetik, die sich nicht nur in der Bildsprache, sondern auch in deren schwebender Ironie und der überbordenden Spielfreude im Gebrauch zeigen. Filme, Nachbauten und interaktive Stationen machen die Funktionsweise sichtbar und laden dazu ein, die persönlichen Kurznachrichten neu zu entdecken. Ergänzt durch bewegliche Kinderbücher und Papierspielzeug der Zeit, entfaltet die Schau den Zauber einer Epoche, der Verwandlung Vergnügen bereitete.
Die Ausstellung wird kuratiert von Dr. Andreas Dietzel, Dr. Joachim Seng und Dr. Christiane Holm.
Mit freundlicher Unterstützung von Ernst Max von Grunelius-Stiftung, Adolf Christ Stiftung, Andreas und Erika Dietzel-Stiftung, Dr. Marschner-Stiftung, Klaus-Dieter Stephan, Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung, Karsten Greve, Elena von Metzler, Sparkassen Stiftung Hessen Thüringen und Stiftung Frankfurter Sparkasse sowie von weiteren privaten Spendern
Kulturpartner hr2 Kultur
Eröffnung: Donnerstag, 28. Mai, 19 Uhr
28.05.2026
Donnerstag, 19 Uhr
Erwachsene
Jugendliche & Erwachsene
30.05.2026
Samstag, 15:30 Uhr
Erwachsene
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06.06.2026
Samstag, 15:30 Uhr
Erwachsene
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20.06.2026
Samstag, 15:30 Uhr
Erwachsene
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25.06.2026
Donnerstag, 18 – 19:30 Uhr
Jugendliche & Erwachsene
27.06.2026
Samstag, 15:30 Uhr
Erwachsene
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